Chronik der Gemeinde Recklinghausen-HochlarmarkMittwoch, 21.05.2008

Mit der Einweihung des Kirchengebäudes am 31. Mai 1960 wurde auch gleichzeitig die Gemeinde Recklinghausen-Hochlarmark gegründet. Die eigentliche Geschichte begann allerdings viel früher, denn sie ist eng mit der aus der Nachbargemeinde Recklinghausen-Süd verknüpft.


Die ersten Gläubigen aus dem Süden von Recklinghausen lernten die damals noch unbekannte Glaubensgemeinschaft im Jahr 1897 in den Gottesdiensten in Herne kennen. Sie wurden in die Neuapostolische Kirche aufgenommen und besuchten dort auch weiterhin die Gottesdienste. Auf dem gemeinsamen Fußweg nach Herne kamen immer mehr Familien dazu, so dass bis 1908 bereits eine Gruppe von 29 Erwachsenen und 52 Kindern sonntags nach Herne zog. Paul Adolph wurde in diesem Jahr das Unterdiakonenamt übertragen und somit der erste Amtsträger. Bereits ein Jahr später (1909) wurde er zum Priester ordiniert. Für die älteren Gemeindemitglieder fanden die Gottesdienste nun in Privatwohnungen statt. Da der Platz jedoch nicht ausreichte, mussten sich alle anderen weiterhin auf den Weg nach Herne machen. Verstärkt wurde daher nach einem geeigneten Versammlungsraum gesucht. Dieser wurde schließlich auf der Bahnhofstraße 2 (heute Hochlarmarkstraße) gefunden und am 8. September 1912 eingeweiht. Priester Adolph wurde die Leitung der inzwischen auf 118 Mitglieder angewachsenen Gemeinde übertragen.

Leider musste der Raum 1918 wieder aufgegeben und die Gottesdienste wieder in Herne besucht werden. Zwei Jahre später, im Oktober 1920 konnte ein Lokal in der Forellstraße 14 in Recklinghausen-Süd angemietet werden, das nun bis 1935 für die Gemeinde das „Zuhause“ bildete. Inzwischen war aber die Mitgliederzahl auf über 200 Seelen angewachsen und die Versammlungsstätte „platzte aus allen Nähten“. Ein neues Gebäude musste also dringend gefunden werden! In einem Hinterhof an der Feldstraße 29 fand man schließlich einen zerstörten Saal. Er wurde für 720,- Mark Jahresmiete am 15. September 1935 angemietet. Durch Eigenleistung schafften die Gläubigen sich eine neue Versammlungsstätte, die nach Aussagen von älteren Gemeindemitgliedern aber mit dem schönen Saal auf der Forellstraße nicht zu vergleichen war. Der Versammlungsort war ein eingeschossiger Flachbau ohne Keller. In einem kleinen Anbau wurde das Ämterzimmer eingerichtet und in dem winzigen Keller darunter konnten Kohlevorräte aufbewahrt werden. Bei normaler Besetzung fanden hier etwa 200 Besucher Platz. Zunächst reichte dies aus; aber im laufe der Zeit wuchs die Mitgliederzahl immer mehr. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Flüchtlinge ins Ruhrgebiet, dadurch wurde auch die Gemeinde immer größer. Bis 1954 hatte sich die Zahl der Gläubigen verdoppelt. Der Platzmangel führte nun zu einer Notlösung: Die Gemeinde wurde geteilt (als Grenze diente die Eisenbahnlinie Essen-Münster) und es mussten sonntags mehrere Gottesdienste gehalten werden. Aber dies konnte natürlich kein Dauerzustand sein.

Im Jahr 1958 wurde in Hochlarmark auf der Leopoldstraße ein Baugrundstück erworben und mit dem Bau eines eigenen Kirchengebäudes begonnen. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten wurde es dann am 31. Mai 1960 durch Bezirksapostel Walter Schmidt feierlich eingeweiht. Dadurch war in Hochlarmark eine eigenständige Gemeinde entstanden, die von Bezirksevangelist Jenatschek geleitet wurde. Ihm zur Seite standen am Gründungstag zwei Priester, zwei Diakone und drei Unterdiakone. Insgesamt zählte die Gemeinde damals 225 Mitglieder. Die Gemeinde Recklinghausen-Süd unter der Leitung von Vorsteher Rensing blieb zunächst in der Versammlungsstätte auf der Feldstraße und konnte ein paar Jahre später ebenfalls in ein eigenes Kirchengebäude auf der König-Ludwig-Straße umziehen.

Das Jahr 1967 war geprägt durch einige besondere Ereignisse: Am 22.10.1967 war die Gemeinde Hochlarmark nach Recklinghausen-Nord eingeladen. In dem Gottesdienst, den Apostel Schiwy gehalten hatte, wurde Bezirksevangelist Jenatschek in den Ruhestand gesetzt; neuer Vorsteher wurde Priester Thomas Gerzer. Knapp zwei Monate später, am 17. Dezember, freute sich die Gemeinde über den Besuch von Stammapostel Walter Schmidt.

Anfang der 1980er Jahre war der Bezirk Herne (inzwischen 24 Gemeinden) so groß geworden, dass er geteilt werden musste. Die Gemeinde Hochlarmark gehörte von nun an zu dem neu gegründeten Bezirk Recklinghausen. Als erster Bezirksältester wurde der Hirte Willi Döbereiner gesetzt. Neun Jahre später trat Priester Gerzer in den Ruhestand. In dem von Apostel Magney am 28. Oktober 1990 gehaltenen Gottesdienst wurde der Hirte Baar vorläufig mit der Leitung der Gemeinde beauftragt. Diese Übergangslösung dauerte ca. zweieinhalb Jahre, bis am 17. Februar 1993 Priester Uwe Dimek in einem Gottesdienst des Bezirksapostels Ehlebracht in Recklinghausen-Süd als Vorsteher für Hochlarmark gesetzt wurde.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1993 (von September bis Januar 1994) gab es für die Hochlarmarker Gemeindemitglieder ein Wiedersehen mit „alten Bekannten“: Da das Kirchengebäude umfangreich renoviert wurde, war man wieder zu Gast in der Nachbargemeinde Recklinghausen-Süd. Aber so ganz aus den Augen verloren hatte man sich ja sowieso nie, denn es gab immer wieder Gelegenheiten (z. B. gemeinsame Gottesdienste oder ähnliches), wo man sich wieder getroffen hat. Ein paar Jahre später kam dann der „Gegenbesuch“ aus Süd, denn von August 1998 bis Februar 1999 wurde die Kirche in der König-Ludwig-Straße renoviert. Auf diese bewährte Lösung wurde auch Ende 2004 zurückgegriffen, da das Hochlarmarker Kirchengebäude nochmals umgebaut werden musste. Während der bis Juni 2005 dauernden Arbeiten besuchten die Hochlarmarker wieder die Nachbargemeinde.

Im September 2005 gab es erneut eine Veränderung in den Bezirksstrukturen. Zu dem Bezirk Recklinghausen kamen einige Gemeinden (aus den Städten Marl, Herten, Haltern und Dülmen) aus dem ehemaligen Bezirk Gelsenkirchen-Buer hinzu, andere Gemeinden (z. B. aus Datteln, Olfen und Castrop-Rauxel) wurden nach Herne abgegeben. Hochlarmark verblieb wie alle anderen Gemeinden Recklinghausens und Oer-Erkenschwicks im Bezirk Recklinghausen.

Im Herbst 2006 setzte man die Renovierungsarbeiten (vor allem Dach- und Fassadensanierung) am Kirchengebäude fort. Kurz vor Weihnachten wurde ein Treppenlift für die gebehinderten Gottesdienstbesucher eingebaut.

Bezirksapostel Armin Brinkmann besuchte am 4. März 2007 die Gemeinde Hochlarmark und hielt in Begleitung aller Apostel und Bischöfe aus Nordrhein-Westfalen den Entschlafenengottesdienst.

Vorsteher Uwe Dimek empfing am 4. Juli 2007 durch Apostel Schwerdtfeger das Hirtenamt.

Einen außergewöhnlichen Gottesdienst erlebte die Gemeinde am 17. März 2010. Im Rahmen einer in Dortmund stattfindenden Bezirksapostelversammlung, zu welcher der Stammapostel Wilhelm Leber eingeladen hatte, hielten die Bezirksapostel und Bezirksapostelhelfer den Wochengottesdienst in den verschiedenen nordrhein-westfälischen Bezirken. Bezirksapostel Charles S. Ndandula aus Sambia besuchte Hochlarmark. Er hielt den Gottesdienst in englischer Sprache und wurde am Altar übersetzt.
 

Sonja Glinka