Berichte
Interview mit den Diakonen Karl-Heinz Möller und Paul OsthoffSonntag, 24.06.2007
Unsere beiden Diakone Karl-Heinz Möller und Paul Osthoff werden im Juli 2007 wegen Erreichens der Altersgrenze in den Ruhestand gehen. Wir haben das zum Anlass genommen, ein kleines Interview mit ihnen zu führen:
Redaktion: Ihr beide geht nun bald in den wohlverdienten Ruhestand. Freut ihr euch darauf oder schwingt auch ein wenig Wehmut mit?
Beide: Natürlich freuen wir uns darauf, ein wenig Arbeit abgeben zu können. Aber es fällt auch ein bisschen schwer, weil wir hier in Hochlarmark einen sehr schönen Amtsbrüderkreis haben. Es wird offen über alles gesprochen. Man hat so das Gefühl, es ist wie in der Familie.
Redaktion: Ihr bleibt zum Glück ja auch hier. Werdet ihr denn auch im Ruhestand noch Aufgaben in der Gemeinde übernehmen?
K-H. M.: Ja, wir werden auch weiterhin Krankenbesuche machen, um die aktiven Amtsbrüder zu unterstützen, die durch ihre Berufstätigkeit tagsüber nicht so viel Zeit haben. Im Seniorenkreis bin ich schon seit einiger Zeit als Helfer für den Seniorenbeauftragten tätig. Da werde ich sicherlich auch weiterhin dabei sein.
P.O.: Der „Geschwisterservice“ wird auch weiter bestehen.
Redaktion: Das ist eine schöne Bezeichnung für all das, was du in der Gemeinde tust. Ich habe schon gehört, dass Geschwister dich als „Engel der Gemeinde“ bezeichnen.
P.O. (wehrt ab): Nein, nein, das würde ich nie so nennen. Aber wenn ich z. B. höre, dass jemand zum Arzt muss und nicht weiß, wie er da hinkommen soll, und ich habe die Zeit dazu, dann ist es für mich doch selbstverständlich, dass ich helfe. Oder wenn jemand nicht laufen kann, dann hole ich ihn halt zur Kirche ab. Aber es ist schön in unserer Gemeinde, dass die jungen Amtsbrüder uns ältere manchmal fragen, was sie tun sollen. Dann sage ich ihnen immer, dass sie auf die Geschwister zugehen sollen, dann sehen sie mit der Zeit auch, wenn jemand Sorgen hat.
Redaktion: Wart ihr von Kindheit an neuapostolisch oder habt ihr unsere Kirche erst später kennengelernt?
K-H.M.: Im Dezember 1942 bin ich versiegelt worden, also schon von Kindheit an neuapostolisch.
P.O.: Ich bin erst später dazugekommen. In unserer Familie war es zunächst meine Schwester, die als erste die Gottesdienste in der Neuapostolischen Kirche besucht hat. Sie hat mich dann mitgenommen und mit 13 Jahren bin ich versiegelt worden. Aber erst bei meiner Konfirmation im Jahr 1957 habe ich das alles so richtig begriffen. Das Konfirmationsgelübde war ein ganz wichtiger Moment in meinem neuapostolischen Leben.
Redaktion: Seid ihr „echte“ Hochlarmarker? Also, wart ihr immer hier in der Gemeinde oder kommt ihr aus anderen Gemeinden?
P.O.: Ich bin Hochlarmarker, bin hier aufgewachsen und fühle mich hier sehr wohl. 1967 sind wir nach Recklinghausen-Nord gezogen. Irgendwann wollten wir dann nach Norddeutschland ziehen, aber der damalige Hirte Wagner sagte zu mir: „Dein Platz ist in Recklinghausen“. Da musste ich zwar erst schlucken, aber dann sind wir doch hier geblieben, 1981 nach Hochlarmark zurück gezogen und haben es nicht bereut.
K-H. M.: Ich bin in Herne-Holsterhausen aufgewachsen und im November 1959 nach Hochlarmark gezogen.
Redaktion: Wie waren die Stationen eurer Amtstätigkeit?
K-H.M.: Mitten während einiger Renovierungsarbeiten im Jahr 1966 haben wir Besuch von den Amtsbrüdern bekommen und am Ende bin ich dann gefragt worden, ob ich nicht als Unterdiakon tätig werden möchte. Ich kam mir dafür viel zu klein und völlig ungeeignet vor, habe aber schließlich doch ja gesagt. Am 26.08.1966 habe ich das Amt dann in Herne durch Apostel Schiwy empfangen. Das Diakonenamt habe ich am 29.5.1977 ebenfalls in Herne durch Apostel Schiwy erhalten.
P.O.: 1981 wurde ich eingeladen zu einer „besonderen Stunde“ mit Bischof Brückner. In dieser Stunde wurde das Unterdiakonenamt ausführlich erklärt. Danach hatten alle Eingeladenen zehn Minuten Zeit, sich zu entscheiden, ob sie das Amt annehmen möchten. Ich habe nicht mitbekommen, dass jemand nein gesagt hätte. Am 22.11.1981 habe ich dann das Unterdiakonenamt empfangen. Diakon wurde ich am 17.12.1987.
Redaktion: Welche Aufgaben hattet oder habt ihr in der Gemeinde?
P.O.: Es war eine sehr schöne Zeit, als Karl-Heinz und ich in der Sonntagschule geholfen haben. Damals war Priester Sand Sonntagschullehrer. Später war ich dann bei der Jugendbetreuung tätig (mit Priester Kujath). Eine wichtige Aufgabe war auch die Missionsarbeit. Durch meinen Beruf als Briefträger kam ich mit vielen Menschen ins Gespräch, daraus entwickelten sich auch manchmal schöne Glaubensgespräche.
K-H. M.: Ja, an die Zeit in der Sonntagschule kann ich mich auch noch gut erinnern. Ich war dann später als Konfirmandenlehrer tätig. Seit 1961 bin ich verantwortlich für die Lautsprecher und die Technik bei Übertragungsgottesdiensten. Zum Glück hat das in letzter Zeit auch schon teilweise ein jüngerer Diakon übernommen. Aber z. B. bei den Bezirksseniorentreffen ist es ebenfalls meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass mit der Technik alles klappt. Seit 1973 bin ich auch Verlagsbeauftragter.
Auf die Frage nach besonderen Erlebnissen erzählten beide mit bewegter Stimme von einigen Ereignissen aus ihrem Leben. Dies hier wiederzugeben, würde allerdings den Rahmen dieses Interviews sprengen. Übereinstimmend betonten sie jedoch beide, dass sie im Vertrauen auf Gott immer wieder seine Hilfe erleben durften.
Redaktion: Gibt es für euch Veränderungen im Ruhestand? – Pläne oder Dinge, die ihr tun möchtet, die vorher nicht möglich waren?
K-H.M.: Eigentlich ändert sich ja nicht so viel.
P.O.: Vielleicht gehen wir mal in eine andere Gemeinde zum Gottesdienst? (schränkt aber dann ein): Meistens nehme ich ja auch andere Geschwister mit, wie sollen diese denn dann zur Kirche kommen? Also werden wir wohl doch fast immer hier sein.
Redaktion: Wie habt ihr Veränderungen erlebt? (in der Gemeinde, im Bezirk, in der NAK) War es schwierig, sich auf Veränderungen einzustellen?
P.O.: Für mich war es eine schwere Zeit, als Stammapostel Bischoff gestorben ist. Da bin ich doch ins Grübeln geraten. Aber dann habe ich mir gesagt: Wenn es Gottes Werk ist, wird es auch weitergehen oder es wird jetzt ganz schnell untergehen. Und es ging weiter! Das hat mir dann glaubensmäßig wieder viel Kraft gegeben.
K-H.M.: Ich habe in der ganzen Zeit acht Bezirksapostel und sechs Stammapostel erlebt. Aber es ist mir nicht schwer gefallen, mich an Veränderungen zu gewöhnen. Die meisten kannte man ja auch vorher schon. Jede Zeitepoche und jeder Bezirksapostel oder Stammapostel oder in unserer Gemeinde die Vorsteher hatten eine besondere Ausstrahlung und Fähigkeit - einer strahlte viel Freude aus, ein anderer Vertrauen oder einen starken Glauben; andere waren Männer, die anpacken konnten. Das Erleben in der Gemeinde bleibt ja auch, da hat sich nicht viel geändert.
Redaktion: Wie habt ihr Familie, Beruf und Kirche unter einen Hut gebracht?
P.O.: Ganz wichtig ist eine verständnisvolle Ehefrau. Denn sonst würde das nie gut gehen.
K-H.M.: Das stimmt, vieles mussten unsere Frauen selbst entscheiden (z. B. in der Kindererziehung). Beruflich hatte ich oft Wechselschicht. Manchmal musste ich bei einem Familienbesuch sagen, so jetzt müssen wir aber zum Ende kommen, sonst verpasse ich meinen Schichtbeginn (um 24:00). Aber das war ja zum Glück nicht der Regelfall. Ich hatte eigentlich nie das Gefühl zu wenig Zeit zu haben. (augenzwinkernd) Vielleicht hat der liebe Gott mir manchmal 26 Stunden am Tag zur Verfügung gestellt.
P.O.: Ich hatte beruflich das Glück, dass ich mir meine Arbeitszeit einteilen konnte, so dass irgendwie immer genug Zeit für alle Bereiche des Lebens blieb.
Redaktion: Was ratet ihr jungen Amtsbrüdern?
Beide: Dass sie ein gutes Verhältnis mit dem Vorsteher pflegen. Ganz wichtig ist auch, miteinander zu reden.
Redaktion: Was wünscht ihr euch für unsere Gemeinde?
K-H.M.: Wir wünschen uns, dass es bei so einer schönen Gemeinschaft bleibt, sowohl in der Gemeinde, als auch im Amtsbrüderkreis.
P.O.: Ja, das ist ganz wichtig. Und man fühlt sich wohl, wenn einer für den anderen da ist.
Redaktion: Das ist ein schönes Schlusswort von euch. Wir danken euch für dieses interessante Gespräch.
Sonja Glinka / Frank Glinka